Frequencies

Übersetzung

Energiearbeit

Bioenergetik

Prozessarbeit

Certificates

Feedback

Presse

Israel Davidesco

Transdimension

home

Israel Davidesco
Tel.: +49 30 261 66 38
Fax: +49 30 428 023 63
israeldavidesco@gmail.com

Seelenbilder, vielschichtig wie das Leben
Der Künstler und Therapeut Israel Davidesco ist ein Mensch auf der Suche. Berlin habe ihm dabei geholfen, seine „Wunden zu heilen“, sagt er. Teil III der Serie Israelis in Berlin

Hufelandstraße 24 am Prenzlauer Berg, ein Bau aus der Gründerzeit. Im vierten Stock lebt der israelische Maler Israel Davidesco. Der Stadtteil Prenzlauer Berg gilt als „Szeneviertel“ Berlins, geprägt von jungen Menschen, Künstlern, Studenten. Spuren jüdischer Kultur erschließen sich in der gerade restaurierten Synagoge an der Rykestraße und auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee, auf dem neben anderen Max Liebermann und Giacomo Meyerbeer bestattet sind.

Israel Davidesco bittet zu einem grünen Tee; in der Wohnküche stapeln sich israelische Zeitungen, ein wenigstens medialer Kontakt zu seiner Heimat. Die Zimmer: Atelier, Lager für über 300 Bilder, Wohn- und Schlafstätte, Büro gleichermaßen. Aus dem Atelier ein Blick auf die gegenüber liegenden, in den Jahren nach der Wiedervereinigung sorgfältig restaurierten Gründerzeitbauten. „Stein, zuviel Stein“, merkt Israel Davidesco jedoch an. Denn seine tiefe Liebe zur Natur, die ihn seit seiner Kindheit prägt, verträgt sich nicht so recht mit einer Stadtwohnung: „Natur, Wasser, Bäume, Pflanzen - sie geben mir eine innerliche Stärke“, sagt er.
israel
1947 in Haifa geboren – findet Israel Davidesco erst spät zur Malerei: 1978, mit 31 Jahren, beginnt er ein Kunststudium bei Mina Zieselmann am Avni Institut der Tel Aviver Kunstakademie. „Eine wunderbare Frau“, sagt er von seiner Lehrerin, „die mir die Freiheit und Unterstützung gegeben hat, meinen eigenen künstlerischen Weg zu gehen“. Auf den ersten Blick eine Marginalie, bedeutsam dennoch nicht nur in der Erinnerung: Bei Mina Zieselmann lernt er, seine Bilder nicht vorn, sondern auf der Rückseite zu signieren; der Künstler tritt hinter sein Bild zurück - er steht dahinter, im doppelten Sinne dieses Wortes. Nach zwei weiteren Studienjahren bei Herold Rubin führen ihn Reisen in die USA, nach Mexiko, Frankreich und Italien.

Natur, die verkörpert für ihn auch Atlit, jenes kleine Dorf nahe Haifa, in dem Israel Davidesco aufwächst: Sein Vater bewirtschaftet dort eine Farm; seine Mutter emigriert 1933 aus Polen nach Palästina. Der aus Rumänien stammende Großvater hatte schon 1888 in Atlit gesiedelt. Israel Davidesco wirkt versonnen, fast romantisch, wenn er über seine Kindheit berichtet: „Alle Sinne waren aktiv; ich sehe die Landschaft, das Carmelgebirge bläulich im Osten, das blaue Meer im Westen, ich spüre den Duft von Erde und Blumen. Ich höre die Vögel. Dieses Bild bestimmt mein Leben.“

1988 kommt Israel Davidesco nach Berlin. „Eigentlich wollte ich nur meine Bilder präsentieren, einige Monate bleiben und dann nach Israel zurückgehen“, berichtet er aus jenen ersten Tagen. Aber etwas anderes bestimmt vor allem den Berlin-Aufenthalt und lässt bis heute die innere Zerrissenheit dieses Menschen spüren, immer wieder auf der Suche nach der Vergangenheit, dem Verbleib seiner Familie und auf der Suche nach sich selbst - ein Mensch, der, wie er formuliert, „immer noch etwas zu erledigen hat“. Sein Großvater Yisrael, acht Geschwister seiner Mutter und deren Familien sind während der Nazizeit in Polen spurlos verschollen, vernichtet worden: „Wir haben nie erfahren, was geschehen ist. Wenn man ein Grab hat, kann man seine Traurigkeit wenigstens bearbeiten…“.Es bleibt bei diesen Worten.

Was bewegt den Künstler, länger als geplant in Berlin zu bleiben? „Berlin faszinierte mich“, erzählt Davidesco, „diese damals geteilte und von einer Mauer umgebene Stadt erinnerte mich an die innere Aufgewühltheit und Isolation meines eigenen Landes“. Zugleich bedrückt ihn jedoch dieses Gefühl der Eingeschlossenheit. Nach der Maueröffnung zieht er sich - wie sich die Kunstberaterin Rita Cleuvers in einem Gespräch erinnert - eine Zeitlang in seine Wohnung zurück, ist aufgewühlt und vermag nicht abzuschätzen, was dieser Umbruch für ihn als israelischen Künstler und Juden bedeutet. Rita Cleuvers: „Es sind das Chaos, die Dichte, die Schattenhaftigkeit und Anonymität, die zu jener Zeit seine Bilder bestimmen. Sie sprechen von einem starken inneren Kampf mit der Stadt und mit sich selbst, ihren Menschen und dem Verlangen, hier Identität zu finden.“

1988 entstehen in Berlin die ersten „Seelenlandschaften“: Bilder, in „denen er seine Träume und die Auseinandersetzung mit Gefühlen und Erinnerungen, Erfahrungen, Licht und Fülle, Kargheit, Einschränkung und Kampf festhält“. Rita Cleuvers urteilt über sein späteres künstlerisches Wirken: „Er zieht uns auf subtile Art und Weise in das Spannungsfeld abstrakt-gegenständlicher Maltendenzen. Die Bildwelten von Israel Davidesco sind vielschichtig, wie das richtige Leben.“

Das künstlerische Schaffen Israel Davidescos spiegelt sich seit 20 Jahren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen nicht nur in Deutschland, sondern auch in England, Spanien, den Vereinigten Staaten, Italien und - natürlich - Israel. Und wie sieht Israel Davidesco sich selbst, seine Malerei?: „Als ich begann, mich mehr und mehr für Kunst zu interessieren, und ich immer wieder gefragt wurde, was mir die Kunst denn bringe, habe ich für mich die Antwort gefunden: &Mac226;Ich übe wahrnehmen!'. Und zu dieser Aussage stehe ich auch heute noch. Bilder erlauben mir eine stille Betrachtung der Wirklichkeit und meiner Träume.“

Ein- bis zweimal im Monat fährt Israel Davidesco von Berlin nach München. In beiden Städten arbeitet er als Therapeut - eine Arbeit nicht nur mit anderen und für andere; sie ist für ihn zugleich Prozess der Selbstfindung und beeinflusst darüber wiederum sein künstlerisches Wirken: „Die Identifikation zwischen mir, meinen Bildern und meiner therapeutischen Arbeit ist die Transformation. Die Farbfelder, die ich kreiere, sind meine Botschaft von Liebe, die ich in dieser Welt vermitteln will.“

Berlin, das wird - vor einer späteren Rückkehr nach Israel - nicht die letzte Station dieses manchmal rastlos wirkenden Künstlers sein: „Meine Seele sagt mir, dass ich hier abgeschlossen habe; hier habe ich das Schicksal meiner Familie und das der Juden verarbeitet.“ Für Berlin empfindet der Künstler eine tiefe Dankbarkeit; er hat hier Freunde gefunden, die Stadt und ihre Menschen haben dazu beigetragen, „meine Wunden zu heilen“. Mit seinen Bildern, vielleicht mit einer großen Ausstellung, möchte er sich verabschieden. Über allem steht ein großes Ziel, wie er es auch in einem seiner Bilder, „Der große Stern“, ausdrücken will: der Traum „von der Einheit aller Menschen, ohne Nationalität, ohne Rassismus oder religionsgeprägte Grenzen“.

Es zieht ihn weg von Berlin - aber wohin? Und wieder kommt dieser Satz: „Meine Seele wird mir den Weg weisen.“


Christopher Nielsen

top